»Muslime sollten während des vierwöchigen Fastens keine anstrengenden fremdenpolizeilichen Verhöre über sich ergehen lassen müssen - und in dieser Zeit nicht abgeschoben werden -, schlägt die Flüchtlingshelferin Karin Klaric vor.« - WebStandard, 27.8.2011
August 2011
45 Einträge
»Der Typ, der in einem Film zu einer Frau »Du Schlampe!« sagt, trägt fast immer einen Dreitagebart, was in alten amerikanischen Filmen bedeutet, dass er ein Schurke ist, während es im heutigen Berlin bedeutet, dass er in der Medienbranche arbeitet.« - Harald Martenstein über das um sich greifende Paradenwesen, Die Zeit, 35/2011
Giovanni di Lorenzo. Erzählt jede Woche das gleiche Zeug, also im Grunde das gleiche Zeug, und trotzdem. Giovanni di Lorenzo erzählt das so ungemein sympathisch, dass ich mich jetzt jeden Mittwoch fast schon ein bisserl freu über sein Warum der Titel und nicht der andere Titel und warum der Kommentar und nicht der andere. (Die Vignetten links und rechts vom Schriftzug, die hätte er nicht anpreisen brauchen. Gut werden sie trotzdem sein.) Meine Damen und Herren, tun Sie sich was Gutes, kaufen Sie sich morgen eine Zeit in der Trafik – am Kiosk – Ihrer Wahl.
»Die Ausschreitungen offenbaren nicht, dass Grossbritannien in einer Art Zeittunnel zurück in die Jahre 1981 oder 1985 gereist wäre, als es noch politisch motivierte, anti-rassistische Ausschreitungen gegen die Polizei gab. Sie zeigen vielmehr, dass die tentakelartige Ausbreitung des Wohlfahrtsstaates in jeden Bereich des Lebens der Menschen die alten sozialen Bindungen, auch die Beziehungen des Teilens und der Solidarität, die für Gemeinden der Arbeiterklasse typisch waren, vernichtet hat.« - aus Entfremdung und Nihilismus* von Brendan O’Neill, Schweizer Monat
* Übersetzung von London’s burning: a mob made by the welfare state erschienen im englischen Magazin Spiked.
»Politik ist heute im wesentlichen nicht, die Wirklichkeit zu verändern, sondern den Eindruck zu erzeugen, man würde die Wirklichkeit verändern wollen.« - Die Pleite der Politik der Gefühle von Christian Ortner
»Querido compañero Fidel Castro! … Kuba war und ist Beispiel für viele Menschen in der Welt …« - Gesine Lötzsch und Klaus Ernst gratulieren herzlich, pardon, natürlich solidarisch.
Back. In town.
»Wer hingegen, wie die Linke das ja versucht, „die Gier“ oder „die Märkte“ als Unfallursache verortet, kann genauso gut die Schwerkraft für Flugzeugabstürze verantwortlich machen oder ungünstige meteorologische Bedingungen für das Elend in der Dritten Welt.« - Linke Gesellschaftskritik ist wieder in: Deutschland, ein Spinnermärchen von Christian Ortner, Die Presse, 19.8.2011
»Die Gewalt allein hat einen knappen Atem; sie schlägt blind und tollwütig zu, aber ziellos in ihrem Willen, kurz in ihrem Denken, sackt sie nach solchen jähen Ausbrüchen ohnmächtig in sich zusammen. Selbst wo sie ansteckend wirkt und psychotisch ganze Gruppen erregt, werden es nur zuchtlose Rotten, die sich verlaufen, sobald die erste Hitze gekühlt ist. Nie sind im Laufe der Geschichte Aufstände und Ausbrüche ohne geistige Führung einer wirklichen Ordnung gefährlich geworden - erst wenn der Gewalttrieb einer Idee dient oder die Idee sich seiner bedient, entstehen die wahrhaften Tumulte, die blutigen und zerstörenden Revolutionen, denn erst durch eine Parole wird eine Rotte zur Partei, erst durch Organisation zur Armee, erst durch ein Dogma zur Bewegung.« - Stefan Zweig (aus: Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam)
Tyler Brûlé (Monocle) discussing the effect of the London riots on brand UK. (Video starts after a short message.)
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»Der erste gestern in einem Londoner Magistratsgericht abgeurteilte Plünderer war ein 31-jähriger Hilfslehrer einer Grundschule. Der Zweite ein Drogendealer, der auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen war. Der Dritte ein Student.« - aus der Kleinen Zeitung vom 11. August 2011
»Ultimative Riots in London! Fighter-Groups kontrollieren weite Teile der Stadt und lassen die Insignien des Kapitalismus und der rassistischen Ausbeutung in Flammen aufgehen! Jetzt ist kämpferische Solidarität mit den Londoner Genoss_innen gefragt!« - London brennt! - Wann folgt endlich Berlin?!« - Aufruf eines dezentral organisierten, weltweiten Netzwerk sozialer Bewegungen.
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»Auch der Kapitalismus, egal, wie zäh er ist und wie sehr er auch in den Köpfen der Menschen als etwas Unabänderliches erscheint, er wird verschwinden, früher oder später.« - Es wird Blut fließen, viel Blut (Interview mit Eric Hobsbawm im Stern vom 13. Mai 2009)
»The reason your house is not regularly robbed is not because you lock your doors. It is because most people don’t steal.« - No wonder these kids think stealing trainers is OK. Everyone makes excuses for them by Katharine Birbalsingh
So we’re just showing the rich people we can do what we want. - Teenage Girls from London.
Toll. Twitter kann jetzt noch mehr.
»Mit bisher unbekannter Radikalität bewirtschaftet in den USA eine neue Rechte die Krise, die sie selbst zu verantworten hat. Das stösst auch altgediente Konservative ab, für die Reagan ein Idol war.« - Der rechte Abschied von der Politik, Kommentar von Constantin Seibt, Tagesanzeiger vom 8.8.2011
»Bei dem Mann, der seit Jahren nicht von ihrer Seite weicht, handelt es sich um Alfonso D., einen 60-jährigen Angestellten der spanischen Sozialversicherung und Besitzer einer PR-Firma.« - Quelle ORF
»das schon, aber warum plündert man dann elektrogeschäfte und autofirmen?
wenn man lebensmittelläden plündert, könnte man es noch verstehen.« - aus einer Facebookdiskussion.
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Das Magazin Fleisch publiziert im Sommer unter dem Namen »Sommercamp« wöchentlich PDF-Sonderausgaben. Cool.
»Bis zur Verwirklichung der befreiten Gesellschaft gar, ist es noch ein steiniger Weg, die ‘Katholische Kirche’ ist dabei jedoch einer der größeren Brocken, die im Weg liegen. Einer, dessen Tritt in den Rinnstein der Geschichte längst überfällig ist.« - Aufruf What the fuck – Gegen den Papstbesuch in Berlin von What the fuck
»Die taz gab bereits im Dezember 2010 Ratschläge, wie die katholische Kirche Menschen dazu bewegen könnte, zum Papst-Besuch nach Berlin zu kommen und empfahl ‘Freier Fusel für alle’ und ‘eine große Tafel’ in Anlehnung an das Abendmahl.« - Wie gut, dass der Papst kein Mullah ist von Manfred Gillner, Die Achse des Guten, 5.8.2011
My mental age is 35. Yours? http://mymentalage.com
Und dann noch diese Überraschung. Genau zu wissen, wo man damals war. Zehn Jahre danach das noch genau zu wissen. Das hats ja noch nie gegeben. Also ausser bei ihr. Bei ihr auch. Aber sonst.
Wahrscheinlich ist es nur allzu richtig, wenn Sascha Lobo in seiner Mensch-Maschine-Kolumne unter dem Titel »Der neue Terrorismus kommt aus dem Netz« vom glänzenden Artikel des Nils Minkmar* schreibt. Für ihn zumindest ist es richtig. Ich kann mit beiden Texten wenig anfangen. Mit Minkmars eigentlich gar nichts. Wirklich überhaupt gar nichts. (Würde mich ernsthaft über eine erläuternde Kommentierung freuen.) Lobos Text verstehe ich natürlich auch nur wenig. Aber wie soll man eine solch verschwurbelt daherkommende Anleitung zum Gebrauch eines Küchenmessers auch mehr verstehen? Alleine die verlorenen Schlüssel und die Laterne. Ach …
* Wahn und Sinn, 31. Juli in der FAZ
»Aber wenn wir anfangen, Meinungen für kriminell zu erklären statt Taten, dann hören wir auf, Demokraten zu sein.« - ‘Mehr Freiheit’ ist die richtige Reaktion von Harald Marteinstein, Der Tagesspiegel, 31.7.2011
»Die Erfahrung lehrt, dass Vorsicht geboten ist, wenn das Leid fremder Menschen zum politischen Geländegewinn benutzt wird. Diese Enteignung kommt immer hochmoralisch daher, dabei ist sie alles andere als das.« - Scheinheilige Sympathisantenjagd von Jan Fleischhauer, Spiegel Online, 1.8.2011